Medienwandel und Konflikt in der frühmodernen Eidgenossenschaft

Markus Bardenheuer

Dieses Dissertationsprojekt untersucht die Mediengeschichte von Alltagskonflikten in der Eidgenossenschaft des späten 16. und 17. Jahrhunderts. Die frühmoderne Eidgenossenschaft, wie Medienhistoriker gerade in den letzten Jahren herausgearbeitet haben, war Schauplatz intensiver und komplexer medialer Auseinandersetzungen. Das wachsende Aufkommen von Schrift- und Druckerzeugnissen, verbunden mit der lebhaften mündlich-performativen Kultur urbanen Geschwätzes und Spektakels, erzeugte eine lokale Öffentlichkeit, die bestehenden Machtverhältnissen durchaus gefährlich werden konnte. Der überwiegende Fokus dieser neuen Mediengeschichtsschreibung auf politische Skandale und Unruhen birgt aber zugleich auch die Gefahr, solche Ausnahmemomente als kennzeichnend für die Medienlandschaft der frühmodernen Eidgenossenschaft insgesamt zu erklären. Wer sich von diesen Krisensituationen entfernt, so die Arbeitshypothese dieses Dissertationsprojekts, gewinnt jedoch ein durchaus anderes Bild: Eines, in dem der Zugang zu Medien stark durch Status und Vermögen reguliert wird, und soziale Unterschiede sich in distinkten medialen Milieus niederschlagen. In der Konzentration auf die Nutzung stimmlicher, schriftlicher und gedruckter Äusserungsformen in Alltagskonflikten in den Städten Basel, Zürich und Luzern sucht dieses Dissertationsprojekt damit ein der alltäglichen Medienerfahrung verschiedenster frühmoderner Akteure nahes Bild zu erarbeiten.