Aurembiaix, Gräfin von Urgell (a. 1209-1231), in Kontext. Kinderlosigkeit, Weiblichkeit und Frauenherrschaft im 13. Jahrhundert

Teresa Steffenino

Durch die Wahrnehmung ihrer sozialen und verwandtschaftlichen Rollen als Töchter, Schwestern, Ehefrauen und Mütter haben in der Mediävistik der letzten 50 Jahren mächtige aristokratische Frauen deutlich an Sichtbarkeit gewonnen. Mächtige aristokratische Frauen, die sich hingegen nicht durch dauerhafte verwandtschaftliche Beziehungen zu Männern (Geschwister, Ehemänner und insbesondere Nachkommen) erschliessen liessen, wurden weitgehend von der Forschung vernachlässigt; das Scheitern ihrer Herrschaft dabei oftmals nicht mehr direkt auf ihr Geschlecht, sondern vielmehr auf ihre fehlende Mutterschaft zurückgeführt.

Die kinderlosen Frauen, welche einige katalanische Grafschaften zwischen dem 12. und dem 13. Jahrhundert regierten, bilden hierfür in der Geschichtsschreibung ein aufschlussreiches Beispiel. Aurembiaix (a. 1209-1231), einzige Tochter des Grafen von Urgell, ist unter diesen historischen Figuren in der Regional- und Nationalgeschichte Kataloniens die bekannteste, als Gräfin sowie insbesondere als Konkubine und Vasallin des Graf-Königs von Barcelona Jakob I. (1208-1276).

Das vorliegende Projekt nutzt die relative Bekanntheit von Aurembiaix von Urgell, um anhand bisher nur punktuell erschlossener Quellen zu ihrer Figur sowie ihrem verwandtschaftlichen und geographischen Kontext das historiographisch bisher vernachlässigte Zusammenspiel von Kinderlosigkeit, Weiblichkeit, Macht und Frauenherrschaft im 13. Jahrhundert zu untersuchen. An der Schnittstelle zwischen Mikrogeschichte und historischer Anthropologie verortet, stellt das Forschungsvorhaben Aurembiaix von Urgell explizit in einem gesamtsüdwesteuropäischen Kontext. Dieser ermöglicht es, in neuartiger Weise die feudalpolitischen Folgen von Kinderlosigkeit sowohl für ihr verwandtschaftliches Umfeld als auch für die weiteren raum- und zeitnahen (Grafschafts-)Erbinnen zu erfassen. Dieser transregionale Analyseraum überwindet zudem die gängigen geographischen Grenzen der katalanischen und iberischen Geschichtsschreibung und verleiht dem Forschungsvorhaben innovativen Charakter.