The Depiction and Discourse regarding Jewish Athletes and Jewish Sports in the English Press, 1890-1945

Lisa Jenkel


"The Depiction and Discourse regarding Jewish Athletes and Jewish Sports in the English Press, 1890-1945"

In many European countries and the US, research about Jewish athletes and Jewish sports has become an established field within (sports)history. In Great Britain and especially England – the so often proclaimed "motherland" of modern sports – the topic remains largely neglected. This gap in research can be attributed to the widespread misconception that historically Jews showed no interest in sport, as well as to the still prevalent anti-Semitism in Great Britain. Because of this existing and growing problem – anti-Semitism also appears to be increasing within sports – it is important to study its historical origins. The topic allows insights into Jewish/non-Jewish relationships, how social influences impacted their development and, by means of the selected method, can provide conclusions that go far beyond the realm sport, such as contemporary societal perceptions and depictions.

The topic will be studied based on newspaper sources. Firstly, because Jewish/Non-Jewish relations are often mediated and influenced through media depictions, as is sport. Secondly, England has a history of both perceiving and instrumentalising sport as something particularly British. Sport has been utilized to convey national identity, achieve inclusion and construct otherness – it serves as an element of identity formation. This becomes especially observable in coverage within the contemporary press, which serves both as an intermediary and a source of influence.

To analyse the press discourse, the Discourse-Historical Approach (DHA) will be employed, introduced by Ruth Wodak and her colleagues of the Vienna School as part of their methodology on critical discourse studies. This specific methodology is based on the premise that discourses in their various forms are social practices that are influenced by – but also influence – the social ‘reality’. The approach therefore enables conclusions that go beyond a mere analysis of the selected newspaper sources.


Image: The British Team during the Maccabiah Games 1933;
           Jewish Museum Berlin, Inv.-Nr. 2014/11, Schenkung von Hazel Shore

 

 

"Die Darstellung von und der Diskurs über jüdische SportlerInnen und jüdischen Sport in der englischen Presse, 1890-1945"

In vielen europäischen Ländern und den USA hat sich die Forschung über jüdischen Sport und jüdische SportlerInnen mittlerweile zu einem relativ etablierten Feld innerhalb der (Sport)Geschichte entwickelt. In Großbritannien und insbesondere England – dem so oft proklamierten „Mutterland“ des modernen Sports – ist die Thematik mit wenigen Ausnahmen noch weitgehend vernachlässigt. Diese Lücke in der Forschung lässt sich auf das verbreitete Missverständnis zurückführend, dass Juden historisch kein Interesse am Sport zeigten und auf den noch stark vorherrschenden Antisemitismus in Großbritannien. Aufgrund dieses bestehenden und wieder zunehmenden Problems – auch innerhalb des Sports erscheint Antisemitismus verstärkt – ist es bedeutend die historischen Ursprünge zu studieren. Das Thema ermöglicht dabei Erkenntnisse zu jüdischen/nichtjüdischen Beziehungen, ihre Entwicklung durch soziale Einflüsse und kann durch die gewählte Methode Einblicke geben, die weit über den Sport hinausgehen, indem zeitgenössische Selbst- und Fremdbildzuschreibungen deutlich werden.

Dabei soll das Thema auf Zeitungsquellen basierend erforscht werden. Erstens, weil jüdische/nichtjüdische Beziehungen oft durch mediale Darstellungen vermittelt und beeinflusst wurden und werden, ebenso wie der Sport. Zweitens wurde Sport in England historisch als etwas besonders Britisches wahrgenommen und auch dementsprechend instrumentalisiert. Sport wurde genutzt, um nationale Identität zu erschaffen und zu festigen, um zu inkludieren und Andersartigkeit zu konstruieren – er diente als Element der Identitätsbildung. Dies ist besonders in der Berichterstattung der zeitgenössischen Presse zu erkennen, die sowohl als Vermittler als auch als Einflussquelle diente.

Um eine kohärente Analyse des beschriebenen Diskurses zu ermöglichen, soll die Methode des Diskurshistorischen Ansatzes (DHA) anwenden, die von Ruth Wodak und ihren KollegInnen der Wiener Schule als Teil ihrer Methodik der Kritischen Diskursanalyse etabliert wurde. Diese spezifische Methodik beruht auf der Prämisse, dass Diskurse in ihren verschiedenen Formen gesellschaftliche Praktiken sind, die von der sozialen Realität beeinflusst werden, diese zugleich jedoch auch beeinflussen. Der Ansatz ermöglicht daher Schlussfolgerungen, die über eine bloße Analyse der ausgewählten Zeitungsquellen hinausgehen.


Abbildung: Die Britische Mannschaft während der Makkabiade 1933;
                 Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2014/11, Schenkung von Hazel Shore