Burgenforschung und Nationalsozialismus. Eine Untersuchung zu Wissenschaft, Habitus und Politik

Fabian Link

Das Dissertationsprojekt hat die Geschichte der Burgenforschung während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland zum Thema. Um die Zeit des Nationalsozialismus nicht als einen erratischen Block zu behandeln, werden auch Traditionslinien vor 1933 und Kontinuitäten nach 1945 erfasst, sodass institutionelle und semantische Umbauten (Bollenbeck/Knobloch 2001) sowie personelle Veränderungen oder Kontinuitäten in Forschernetzwerken deutlich gemacht werden können. Zwei Themenkomplexe sind für das Projekt massgebend:

1. Das Verhältnis von Politik und Wissenschaft, einerseits auf der Ebene wissenschaftlicher und politischer Felder (Pierre Bourdieu), andererseits auf Ebene der konkreten Forschungspraxis und der sozialen Handlungsmöglichkeiten ausgewählter Akteure. Gerade in dieser Hinsicht verschwimmen die Grenzen zwischen Akteuren aus Wissenschaft und NS-Politik sowie NS-Kulturpolitik zunehmend.

2. Wird nach der wissenschaftssoziologischen Kategorisierung des Forschungsfelds Burgenforschung in historischer Perspektive gefragt. Der Zustand des wissenschaftlichen Felds zum Zeitpunkt der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ist ausschlaggebend für das Handeln der sich darin befindenden Akteure im Hinblick auf die neuen Machthaber.

Die Burgenforschung im NS-Regime ist ein Thema, das bisher in der Wissenschaftsgeschichte keine Aufmerksamkeit erfahren hat. Zwar liegen Untersuchungen zur Vereinnahmung der historischen Denkmäler für Zwecke der NS-Ideologen vor, nach der Rolle der Burgenforscher selber und deren Verhältnis zur NS-Ideologie wurde jedoch nicht gefragt. Auch eine Wissenschaftsgeschichte der Mittelalterarchäologie existiert nicht, wohingegen zur Vor- und Frühgeschichte und vielen anderen Disziplinen eine ganze Reihe von Studien vorliegt. In dieser Hinsicht wird das Projekt einen grundlegenden Beitrag leisten und eine Verknüpfung zur Frage herstellen, ob und wie die NS-Politik die methodologische und disziplinäre Entwicklung dieses Forschungsfelds gefördert oder beeinträchtigt hat.