Gender Images. Alltag und Geschlecht in Leningrader Dokumentarfilmen

Aglaia Wespe

Im Mittelpunkt des Projekts stehen sowjetische Dokumentarfilme, die in den 1960er und 70er Jahren in Leningrad produziert wurden. Als Dokumente ihrer Zeit sind die Filme aussergewöhnlich, weil sie Szenen alltäglicher Interaktion zum Sujet machen, ohne in erster Linie die 'Errungenschaften' des Sozialismus zu propagieren.

Die Filme werden unter inhaltlichen und methodischen Gesichtspunkten untersucht. Inhaltlich setzt sich die Arbeit zum Ziel, Einsichten in den spätsowjetischen Alltag zu gewinnen, wobei das Erkenntnisinteresse besonders 'öffentlichen' und 'privaten' Räumen und deren Geschlechtsspezifik gilt. Methodisch will das Projekt Möglichkeiten aufzeigen, wie Dokumentarfilme als historische Quellen gelesen werden können. Dazu wird nebst einem close reading der Filme der Entstehungskontext dargestellt. Ausserdem werden Interviews einbezogen, in denen Zeitzeugen und -zeuginnen die Filme aus heutiger Sicht mit ihrer Vergangenheit vergleichen.