Die Aufnahme von Fremden in die Gemeinden der Zürcherischen Landschaft in der Zeit des 16. bis ins 18. Jahrhundert, die Behandlung der Fremden, der Umgang mit den Armen

Flavia Schneider

Sowohl in den Medien als auch in der Politik werden Migration und deren zunehmende rechtliche Einschränkung als ein Phänomen der «unmittelbaren Gegenwart» dargestellt und die Migration somit zu einer rein modernen Bedrohung stilisiert. Demgegenüber steht die historische Forschung in der Pflicht, aufzuzeigen, dass weder die Migration noch die Abschliessungsbemühungen neue Phänomene sind, wobei auch deutlich werden muss, dass die Abgrenzung gegen aussen Konsequenzen für die eigene Gemeinschaft hat. Im Kontext der aktuellen Mobilitätsforschung ist das Beispiel der Schweiz nicht zuletzt aufgrund der kommunalen Zuständigkeit für Bürgerrechtsentscheide von besonderem Interesse. Deswegen und aufgrund der ausgezeichneten Quellenlage eignen sich die Zürcher Landgemeinden im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit gut für eine exemplarische Untersuchung der Abschliessungsbemühungen. Damit wird auch ein bislang wenig beachteter Aspekt, die Migration im ländlichen Raum, für die Mobilitätsforschung erschlossen. Eine wichtige Quellengruppe sind die Einzugsbriefe, die zur Beschränkung des Zuzugs in die Gemeinden dienten. Sie werden im vorliegenden Projekt primär zusammen mit den Einzugsbegehren und den Beschwerden aufgrund des Einzugs qualitativ und quantitativ analysiert. Im ersten Teil der Dissertation wird die Rolle der Stadt und der Gemeinden danach befragt, wer von den Einzugsbestimmungen jeweils profitierte und wo Interessen kollidierten. Im zweiten Teil wird der Effekt der Einzugsbestimmungen auf das Zusammenleben in den Gemeinden untersucht und herausgearbeitet, welche Konsequenzen die Beschränkung der Migration für die lokale Bevölkerung haben konnte. Auch wird, aufbauend auf meiner Masterarbeit, die bislang in der Forschung dominante These, wonach Verteilungskrisen und Überbevölkerung Ursache für die Beschränkung der Mobilität waren, kritisch hinterfragt werden. Damit soll nicht nur das Bild der historischen Forschung zur Mobilität in der Schweiz korrigiert, sondern auch ein Impuls für die aktuelle Diskussion in Politik und Medien gegeben werden.