Vom Dorf in die Stadt. Reformrabbiner und die jüdische Emanzipation in Bamberg und Basel

Moritz Bauerfeind

Das Königreich Bayern bekam in der Neuordnung der europäischen Territorialstaaten nach den Napoleonischen Kriegen Zuwachs durch einen nicht unerheblichen jüdischen Bevölkerungsteil, der weiterhin in den fränkischen Kreisen und dem schwäbischen Kreis angesiedelt blieb. Ebenso gestattete die Stadt Basel nach der Französischen Revolution wieder die Ansiedlung von Jüdinnen und Juden aus dem Umland und ermöglichte damit auch die Wiederetablierung einer Gemeinde ab 1805. Im Rahmen der Diskussionen um die allgemeinen Bürgerrechte in der ersten Hälfte des 19. Jhs. taten sich auch jüdische Akteure als Diskursteilnehmer hervor. Innerhalb dieser Gruppe waren es vor allem aus den Dörfern stammende reformorientierte Rabbiner und Bürger, die in Städten tiefgreifende Veränderungen anstießen. Aus unterschiedlichen Gründen kamen sie an ihren ursprünglichen Wirkungsorten jedoch schnell an ihre Grenzen, weswegen sie sich entweder mit den bestehenden Verhältnissen arrangierten oder außerhalb der Landesgrenzen für große Veränderungen sorgten.

Aus der jüdischen Binnenperspektive sollen die Bemühungen und Arbeiten der Reformrabbiner im Transformationsprozess zwischen rechtlicher Emanzipation, „Konfessionalisierung“ und Bewahrung der Tradition neu beleuchtet werden. Ebenso wird dabei die in der Forschung tradierte Stadt-Land-Dichotomie anhand zweier Vergleichsorte hinterfragt und letzten Endes die Gesellschaftsgeschichte der Landesteile im 19. Jh. um einen wichtigen Aspekt ergänzt.