Stadt ohne Juden? Präsenz in der Absenz zwischen 1400 und 1630

Andreas Gehringer

Das Dissertationsprojekt untersucht Formen jüdischer Präsenz zwischen 1400 und 1630 in Basel. Die jüdische Gemeinde verliess die Stadt am Rheinknie 1397. Ein Niederlassungsrecht für Juden erteilte die Stadt erstmals wieder 1800. Für die vier Jahrhunderte dazwischen wird Basel gelegentlich als "die Stadt ohne Juden" bezeichnet, dies ungeachtet dessen, dass das Jüdische in unterschiedlichsten Formen stets präsent blieb (jüdische Taufen, jüdische Grabsteine in der Stadtmauer, hebräischer und jiddischer Buchdruck etc.).

Mit einem ideen- und kulturgeschichtlichen Blick auf drei spezifische Themen – Pamphilus Gengenbach, sogenannte Türkenbüchlein und Wissensdiskurse – rekonstruiert das Dissertationsprojekt verschiedene Schlaglichter jüdischer Präsenzen in Basel. Es zeigen sich in diesen unterschiedlichen Schlaglichtern und jüdischen Präsenzen, wie sich in der Auseinandersetzung mit dem Juden(tum) spezifische humanistische Vorstellungen über das Selbst, Geschichte und Wissen formulieren. Damit wird  eine Darstellung möglich, die das Judentum und jüdische Akteure nicht  am Rand der historischen Analyse deutet (wie dies sonderlich in der Sozialgeschichte geschieht), sondern im Zentrum kultureller Prozesse.