Zwangserziehungsanstalt Aarburg. Institution und Lebenswelten

Kevin Heiniger

Das Dissertationsprojekt stellt die Zwangserziehungsanstalt Aarburg (ZEA) in den Mittelpunkt der Untersuchung. Verschiedene Archive bilden die Grundlage zur Untersuchung der Zwangsmassnahmen an Jugendlichen in der Schweiz seit dem späten 19. Jh.

In einem ersten Schritt sind die verschiedenen gesellschaftspolitischen Diskurse von Interesse, die 1893 zur Gründung der Anstalt geführt haben. Joseph Victor Hürbin (1831-1915), der Direktor der Strafanstalt Lenzburg, ist hier speziell hervorzuheben. Im Weiteren sollen die jugendlichen Internierten in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht thematisiert werden. Statistiken sollen über Anzahl der Vorsorgten als auch über die Gründe ihrer Internierung Aufschluss geben. Hier wird eine zeitliche Unterteilung in zwei Phasen angebracht sein: Die erste Phase umfasst die Jahre 1893 bis 1941, während die zweite Phase von 1942 bis 1981 reicht. Letztere deckt jenen Zeitraum ab, währenddessen die Administrative Versorgungspraxis aufgrund des in Kraft tretenden Schweizer Strafgesetzbuches rechtlich untermauert war.

Mit einem lebensweltlichen Zugang soll in einem dritten Teil der „Mikrokosmos Zwangserziehungsanstalt“ ausgelotet werden: Zum einen ist hier das Anstaltspersonal von Interesse, allen voran der Direktor der ZEA, aber etwa auch der Lehrer, die Handwerksmeister, der Oberaufseher etc. Hierarchien sowie Dynamiken innerhalb der verschiedenen Gruppierungen (auch der Zöglinge) können hier hervorgehoben werden. Schliesslich sollen verschiedene Problem- und Themenfelder umrissen werden, die sich aus der Aktenlage ergeben, und die anhand einzelner Fallbeispiele veranschaulicht werden können: Flucht und Fremdenlegion, (Homo)Sexualität, Suizide und Todesfälle.