Materialbewegung und räumliche Konzentrierung. Weltgetreidehandel und Milchverwertung in der Schweiz seit 1853

Roman K. Abt

Eine Schachtel “Fleurs des Alpes”, Originalmarke des Schmelzkäses der Gerber & Co., Thun, abgebildet in der Broschüre: “Fromage Gerber. Universel et quotidien”, Archiv des Verband der Schweizerischen Schmelzkäseindustrie (SESK).

Erstgutachterin: Monika Dommann – Zweitgutachter: Josef Mooser

Auch in der Vormoderne kann für Gebiete, die heute zur Schweiz gehören, das Phänomen des Getreideimportes beobachtet werden. Erst mit dem Bau der Eisenbahninfrastruktur (Gründung der Schweizerische Centralbahn (SCB) und der Schweizerische Nordostbahn (NOB) 1853) aber sinken die Getreidepreise in einem Ausmass, welches die Umstellung von Ackerbau auf Viehwirtschaft und vorab Milchproduktion fördert. Die neuen Transportmöglichkeiten erlauben zudem einen gezielteren Einsatz von Futtermitteln. Aufgrund der ansteigenden Milch- und Käseproduktion werden neue Verwertungsmöglichkeiten für diese wirtschaftlich attraktiv, von denen die Milchpulver- und Schachtelkäsefabrikation zwei prominente sind.

Wenn heute der monetäre Beitrag der Landwirtschaft zum volkswirtschaftlichen Wohlergehen in gegenwärtigen sogenannt entwickelten Gesellschaften und Staaten gering ist, dann ist dieses Phänomen historisch im Zusammenhang mit dem Aufkommen neuer Transportmöglichkeiten wie Eisenbahn, Schifffahrt und Strassenlastverkehr zu verstehen. Mit dem Dissertationsprojekt wird ein Beitrag zur Erforschung für den Weltgetreidehandel relevanter Techniken wie Transport, Lagerung und Verarbeitung geleistet und nach deren Bedeutung für die Milchverwertung in der Schweiz gefragt. Dabei sollen der Stellenwert sich ändernder räumlicher Bezugseinheiten herausgearbeitet und die damit zusammenhängende räumliche Konzentrierung spezifischer Tätigkeiten aufgezeigt werden.