Warenströme und Wissensökonomien. Händler, Gelehrte und Verleger in Basel im 16. und 17. Jh.

Davina Benkert

Erstbetreuerin: Susanna Burghartz. Zweitbetreuer: Lucas Burkart

Das Dissertationsprojekt ist der Frage gewidmet, welche Prozesse der Aneignung, Zuordnung und Verknüpfung von Objekten und Wissensbeständen in Basel um 1600 stattfanden und wie diese funktionierten. Untersucht wird diese Frage anhand verschiedener Personengruppen – Händler, Apotheker und Gelehrte – die über bestimmte Warengruppen – Pflanzen, Bücher und wissenschaftliche Instrumente – miteinander verbunden waren und in Interaktion untereinander Wissen rezipierten, produzierten und transferierten. Es werden sowohl Anregungen aus einer neuen kulturhistorisch orientierten Wirtschaftsgeschichte überregionaler und globaler Kulturkontakte und Austauschbeziehungen beigezogen als auch wissensgeschichtliche Ansätze, die zunehmend Objekte und Sammlungen berücksichtigen. Das an Metropolen entwickelte Konzept der world city wird für das Projekt aufgegriffen und für Basel als Modellfall transformiert.
Wissensobjekte – in erster Linie Pflanzen, aber auch Bücher und wissenschaftliche Instrumente – werden als zentrale Kategorie des Austauschs und der Wissensproduktion verstanden und bilden einen Untersuchungsschwerpunkt. Dabei erfolgt der Zugriff über die Objekte selbst, über ihre Materialität und sich verändernden Wertigkeiten. Anhand von Pflanzen lassen sich beispielhaft zeitgenössische Wissenspraktiken illustrieren. Um Klarheit über die Identität von Pflanzen zu erhalten, nahm die Beschäftigung mit Pflanzenexemplaren im Verlauf der Renaissance zu. Es wurde dabei unumgänglich, grosse Sammlungen von Pflanzenbildern, getrockneten Pflanzen und lebenden Pflanzen in botanischen Gärten aufzubauen. So legten auch in Basel Ärzte und Botaniker eigene Gärten an und sammelten getrocknete Pflanzen und Pflanzenbilder in Herbarien. Praktiken der Kennerschaft und Könnerschaft im Umgang mit Pflanzen wurden in einer Gemeinschaft gleichgesinnter verhandelt, in welcher der Brief das wichtigste Medium der Kommunikation war.
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich daher den konkreten Austauschprozessen und Tauschbeziehungen, die im Umgang mit Wissensobjekten festzustellen sind. Neben den Transportproblemen, die sich für wertvolle oder fragile Objekte und Briefe über grosse Distanzen stellten, treten die Fragen nach Vertrauen, Praktiken des Schenkens und der Aushandlung von Tauschbeziehungen in den Vordergrund der Untersuchung. Insbesondere anhand der Publikations- und Sammlungstätigkeit Basler Gelehrter zeigt sich die mediale Veränderung und Ökonomisierung von Wissensbeständen und es stellt sich die Frage, inwiefern die beobachteten Geschenkökonomien die Funktion kommerzieller Märkte übernehmen, bzw. antizipieren.
Zusammenfassend lässt sich also fragen: Welches sind die Objektströme und Wissenstransfers, die in der städtischen Gesellschaft zusammenliefen und wie lassen sich diese in übergreifende Zusammenhänge integrieren? So kann durch eine Weiterentwicklung aktueller methodischer Ansätze und Perspektiven ein Beitrag zur Verknüpfung von Mikro- und Makrogeschichte geleistet werden.

Rahmenprojekt

Crossroads – Trading Zones – Schnittpunkte. Gesellschaft und Wissen in Basel im 16. und 17. Jh.