Politiken der Arbeit in der schweizerischen Frauenbewegung zwischen 1888 und 1914

Simona Isler

Paul Senn-Archiv

Erstbetreuerin: Caroline Arni. Zweitbetreuer: Martin Lengwiler. Externe Expertin: Tove Soiland.

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Thematisierung und Politisierung der Arbeit von Frauen in schweizerischen Frauenorganisationen des frühen 20. Jahrhunderts. Anhand der Untersuchung von Debatten die in diesem Kontext geführt wurden, leistet das Projekt sowohl einen Beitrag zur Geschichte der Konzeptionalisierung von „Arbeit“ und „Nicht-Arbeit“ als auch zur Geschichte feministischer Politik und der Frauenbewegung.

In diversen Kontexten, aus verschiedenen politischen und sozialen Perspektiven intervenierten Frauenorganisationen seit ihrer Gründung im endenden 19. Jahrhundert in Konzeptualisierungsprozesse von Arbeit und politisierten die kategoriale Differenzierung von Arbeit als Erwerbsarbeit und Hausarbeit als Nicht-Arbeit. Das Projekt will erstens klären, inwiefern der Ausschluss von häuslicher Arbeit aus dem kodifizierten Arbeitsbegriff Gegenstand von Kritik war und welche Konzeptionen von Arbeit Frauenorganisationen in diesem Zusammenhang hervorbrachten. Zweitens fragt die Untersuchung danach, welche unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit (resp. vom Richtigen und Guten) die Frauen als Grundlage ihrer Kritik nutzten.

Verschiedene Themenbereiche, Debatten und Schauplätze waren zentral für die Thematisierung von „Arbeit“ in der Frauenbewegung. So debattierten die Frauen und ihre Vereine unter anderem über die Bildung von Frauen und Mädchen, über den konstatierten Mangel an Dienstbotinnen, über industrielle Heimarbeit und über die Frauenschutzartikel im Fabrikgesetz. In diesen Kontexten ging es immer auch um die Konzeptionalisierung und Politisierung von Arbeit.

Um das breite politische und soziale Spektrum, indem sich organisierte Frauen um die Jahrhundertwende bewegten, zu erfassen, werden drei grosse schweizerische Dachverbände untersucht, namentlich der Verband Schweizerischer Arbeiterinnenvereine/SAV, der Bund Schweizerischer Frauenvereine/BSF und der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein/SGF.

Eine historische Perspektive auf die Art und Weise der Thematisierung und Problematisierung der Arbeit von Frauen wirft ein neues Licht auf aktuelle gesellschaftspolitische Fragen - ist doch die soziale Unsicherheit von Frauen infolge schlecht oder unbezahlter Arbeit ein ungelöstes Problem.