Zwischen Versorgungs- und Verwertungskrisen: Die Regulierung des schweizerischen Agrarsektors am Beispiel des Käsemarktes im 20. Jahrhundert

Dorothee Ryser

Erstbetreuer: Martin Lengwiler. Zweitbetreuerin: Caroline Arni

Das Forschungsprojekt untersucht die Regulierung des Agrarsektors durch die schweizerische Agrarpolitik, Verbände und private Akteure am Beispiel des Käsemarktes. Als exemplarischer Gegenstand der Studie dient die Schweizerische Käseunion. Das agrarpolitische Ziel der kostendeckenden Produzentenpreise bei günstiger Versorgung der Konsumenten diktierte die Regulierung der Milchwirtschaft im 20. Jahrhundert. Die Schweizerische Käseunion, gemeinsame Organisation der Milchproduzenten und Käseexporteure, spielte eine zentrale Rolle in der Produktions- und Verwertungslenkung sowie dem Absatz von Milchprodukten. Obwohl eine privatrechtliche Organisation, wurde sie verschiedentlich zum Vollzug öffentlich-rechtlicher Aufgaben herangezogen; 1957 wurden ihre Aufgaben in der Käsemarktordnung gesetzlich verankert. Die Studie betrachtet die Schweizerische Käseunion als Beispiel einer «regulierten Selbstregulierung» (Peter Collin) am Schnittpunkt staatlicher und privater Markteingriffe. Sie interessiert sich einerseits für die Akteure und Akteurskonstellationen innerhalb der Organisation, andererseits für die ideellen Grundlagen der Regulierung der Käsemarktes. Die Arbeit versteht sich hauptsächlich als wirtschaftshistorisches Anliegen und will an die neuere Forschung zur Regulierungsgeschichte und Agrarpolitik anknüpfen. Das Thema wird anhand der Geschäftsakten der Schweizerischen Käseunion erarbeitet, ergänzt durch relevante Unterlagen aus Bundesverwaltung und Verbandsarchiven. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom Ersten Weltkrieg bis Ende der 1990er Jahre. Er deckt sich sowohl mit wichtigen agrar- und wettbewerbspolitischen Entwicklungen wie mit den Eckdaten der Schweizerischen Käseunion.