Konventionen und Praktiken der beruflichen Eingliederung zwischen Invalidenversicherung und Wirtschaft (1945-2008). Institutionaliserte Rationalitäten in der Beschäftigung von Behinderten

Alan Canonica

Die Studie untersucht Konventionen und Praktiken zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung in der Schweiz im Rahmen der Invalidenversicherung. Im Zentrum steht die Frage, mit welchen Begründungen und in welchen praktischen Formen Unternehmen behinderte Arbeitskräfte beschäftigten und mit welchen Mitteln die Invalidenversicherung versuchte, Arbeitgeber dazu zu bewegen. Es stehen für die Analyse zwei Ebenen der beruflichen Eingliederung im Fokus. Zunächst werden bundes- und verbandspolitische Debatten zur beruflichen Eingliederung beleuchtet, insbesondere Aushandlungsprozesse zwischen Arbeitgeberorganisationen, staatlicher Invalidenversicherung und weiteren politischen Akteuren (z.B. Behindertenverbände). Ergänzend wird anhand von Fallbeispielen exemplarischer Unternehmen die Eingliederungspraxis in unterschiedlichen Branchen untersucht.

Der Untersuchungszeitraum reicht von der Einführung der Alters- und Hinterlassenenversicherung 1948 und den darauffolgenden konkreten politischen Planungen der Invalidenversicherung bis zur 5. Revision des Invalidenversicherungsgesetzes 2008, mit dem das Paradigma der Aktivierung in der Invalidenversicherung einzog. In der Studie soll analysiert werden, welche Eingliederungspolitik die Invalidenversicherung verfolgte, wie die Arbeitgeberverbände darauf reagierten und in welchem Ausmass diese die Eingliederungspolitik beeinflusst und mitgestaltet haben. Im Anschluss an den Ansatz der Konventionenökonomie interessiert, auf welche Wertigkeitsordnungen die jeweiligen untersuchten Akteure in den eingliederungspolitischen Debatten rekurrierten und welche regulativen Instrumente auf politischer und betrieblicher Ebene wann und unter Rückgriff welcher Konventionen eingesetzt bzw. verhindert wurden.