Die Musealisierung des Grossen Vaterländischen Kriegs in Moskau, Minsk und Čeljabinsk, 1941-1965

Anne Hasselmann

Sonderausstellung im Staatlichen Historischen Museum Moskau "Belarus lebt, Belarus kämpft, Belarus war und wird sowjetisch sein", eröffnet am 7. November 1942.

Erstbetreuer: Prof. Dr. F. Benjamin Schenk, Zweitbetreuer: Prof. Jochen Hellbeck (Rutgers University, NJ, USA), Drittgutachter: Dr. Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst)

Lead

Nach dem Angriff des Deutschen Reichs auf die Sowjetunion im Juni 1941 erklärte Josef Stalin den Zweiten Weltkrieg zum „Grossen Vaterländischer Krieg“. Die Kuratoren der sowjetischen Museen inszenierten die kriegerischen Ereignisse; ihre museale Deutung blieb in den 25 Jahren nach Beginn des Krieges umstritten.

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts 

Im Forschungsprojekt werden vergangene Ausstellungen des Zentralmuseums der Roten Armee in Moskau, des Museums des Grossen Vaterländischen Kriegs in Minsk und des Heimatkunde Museums in ?eljabinsk vergleichend untersucht. Hierbei wird überprüft ob und in welchem Ausmass die Moskauer „Meistererzählung“ durch die Museen der Peripherie übernommen wurde. 

Die Forschungsthese einer umstrittenen musealen Kriegsdeutung in der Kriegs- und Nachkriegszeit steht im Erkenntnisinteresse. Dabei wird nach dem erinnerungspolitischen Spielraum der Kuratoren bei der Genese ihrer musealen Kriegsdeutung und den inhaltlichen Veränderungen in den Ausstellungen während des Spätstalinismus und der Tauwetterperiode unter Nikita Cruš?ev gefragt. 

Umfassende Ausstellungsrekonstruktionen sollen darstellen, wie die Erfahrung und die Erinnerung der Kriegs- und Nachkriegsgeneration in eine museale Darstellung umgewandelt wurden. Die Auswertung der Gästebucheinträge spiegelt einen gesellschaftlichen Umgang mit der musealen Kriegsinszenierung. 

Wissenschaftlich und gesellschaftlicher Kontext

In der gegenwärtigen kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine zeigt sich wie stark die Mobilisierungskraft der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wirken kann. 

Die Untersuchung der Entstehungsbedingungen des sowjetischen Kriegsgedenkens aus erinnerungsgeschichtlicher Perspektive leistet einen wichtigen Beitrag zur spezifisch osteuropäischen Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg.