Leuchtturm, Schlachthaus, Seuchenschutz. Shared Colonialism und internationale Verwaltung in Tanger (Marokko), 1840 - 1956

Daniela Hettstedt

Der Leuchtturm von Kap Spartel

Erstbetreuerin: Prof. Madeleine Herren-Oesch

Das Projekts erforscht die internatinale Verwaltung der Stadt Tanger (Marokko) im Zeitraum 1840 bis 1956. Es betrachtet die Geschichte der Internationalisierung Tangers als eine Verflechtungsgeschichte im Kontext der Kolonisierung und Dekolonisierung Marokkos.

Bereits 1840 übernahm in Tanger eine erste internationale Organisation zentrale Funktionen der öffentlichen Verwaltung und Infrastruktur. Zu den Funktionen dieser und weiterer internationaler Gremien gehörte neben der Abfallentsorgung und dem Strassenbau auch die Organisation des Seuchenschutzes. Eine wichtige Rolle spielte zudem der Leuchtturm am Kap Spartel, mit dem ab 1865 eine internationale Organisation den Zugang vom Atlantischen Ozean zum Mittelmeer - eine für den Zugang zu den muslimischen Pilgerstätten im Nahen Osten sowie ab 1869 für den Indienhandel strategisch wichtige Position.

Die Kooperation dieser Institutionen in Tanger und die Konkurrenz der an ihnen beteiligten Staaten führte in Tanger zu einer komplexen Situation, die als "shared colonialism" bezeichnet werden kann. Während die Internationalisierung von Tanger bisher einseitig als Geburt einer kosmopolitischen Stadt verstanden wurde, soll mit Einführung des Konzepts des "shared colonialism" der kolonialhistorische Kontext verstärkt miteinbezogen werden. Während Marokko Schritt für Schritt in ein Französisches und ein Spanisches Protektorat geteilt wurde, erhielt Tanger 1923 den völkerrechtlichen Status einer internationalen Zone, den es bis zur Unabhängigkeit des Königreichs Marokko behielt. Diese Besonderheit von Tanger als internationaler Ort stellt den zentralen Untersuchungsgegenstand des als "shared colonialism" bezeichneten Konzepts dar.

Darüber hinaus verfolgt das Projekt das Ziel, die in Europa, den USA und - partiell - in Marokko aufbewahrten internationalen Quellenbestände zusammen zu führen.