Wunderbare Wesen – Überlieferung, Beobachtung und Ordnung der Tierwelt in der schweizerischen Naturgeschichte um 1700

Silvia Flubacher

Der wissenschaftliche Umgang mit Tieren in der frühneuzeitlichen Naturforschung umfasste ein weit umspanntes Feld von Wissenspraktiken: Ihre Körper fanden Eingang in die Kuriositätenkabinette, wurden gesammelt, beobachtet, seziert, beschrieben, gezeichnet, klassifiziert. Die exotische, fabelhafte und im 17. Jahrhundert vermehrt auch die mikroskopische und einheimische Tierwelt bildeten Anlass wissenschaftlicher Verwunderung und religiöser Bewunderung.

Als Mediziner, Kuratoren des Kuriositätenkabinetts der Wasserkirche in Zürich und Verfasser von Naturgeschichten waren Johann Jakob Wagner (1641-1695) und Johann Jacob Scheuchzer (1672-1733) auf allen Gebieten der Tierforschung tätig. Sie rezipierten gelehrte und populare sowie traditionelle und zeitgenössische Wissensbestände und liefern somit einen Einblick in die schweizerische Tierkunde an der Wende zum 18. Jahrhundert. Neben anatomischen, physiologischen, taxonomischen oder philosophischen Fragen behandeln die genannten Autoren auch kulturelle Aspekte im Umgang mit Tieren wie die Nutz- und Heimtierhaltung, die Verarbeitung tierischer Produkte, magische oder symbolische Bedeutungen von Tieren und ihren Eigenschaften. Dabei waren Fabel, Dokument und Beobachtung in den Naturgeschichten eng miteinander verflochten und bildeten durch Kombination auch Tore zur Innovation.

Durch eine Verbindung wissenschafts- und kulturhistorischer Methode fokussiert das Projekt  auf gelehrte und populare Wissenskulturen in Bezug auf Tiere sowie deren gegenseitige Durchdringung in der Naturgeschichte. Scheuchzers Korrespondenz mit internationalen Gelehrten, aber auch einheimischen Wissenschaftsenthusiasten sowie textimmanente Referenzen in den Werken Scheuchzers und Wagners erlauben es, die Popularisierung der Naturgeschichte sowie die Rezeption popularer Wissensbestände durch die Naturgeschichte nachzuvollziehen.

Die Dissertation ist Teil des unter der Leitung von Prof. Dr. Kaspar von Greyerz stehenden Projekts Wissenschaftsgeschichte und Geschichte des Wissens im Dialog: Schnittmengen bei Johann Jakob Wagner (1641-1695) und Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733).