Luxusgesetze und Kleiderordnungen in frühneuzeitlichen Städten der Schweiz und Süddeutschlands

Sonia Calvi

Kleidung wird als eines der wichtigsten Medien sozialer Distinktion überhaupt gesehen. Sie wird unmittelbar am Körper, also am Menschen getragen, der sich durch sie repräsentiert, und der durch die von Anderen identifiziert, aber auch unterschieden wird. Die aktuelle Forschung zu Kleidung und Mode rückt genau diese soziale Symbolik und Lesbarkeit von Kleidern in den Vordergrund. Die in der Frühen Neuzeit eng verbundenen Luxusgesetze und Kleiderordnungen wurden lange Zeit als wichtiger, wenn auch in seiner Wirksamkeit sehr umstrittener Teil der frühneuzeitlichen Sozialdisziplinierung interpretiert. Der Soziologe Alan Hunt ordnet die Luxusgesetze darüber hinaus sowohl dem Bereich von Ökonomie und wirtschaftlichem Protektionismus wie auch Fragen der Demographie und Geschlechterverhältnissen und dem obrigkeitlichen Wunsch nach einer hierarchischen Strukturierung der sozialen Ordnung zu. Andere Autoren wie Daniel Roche betonen in diesem Kontext die Bedeutung von Produktion und Konsum. Luxusgesetze und Kleiderordnungen erscheinen so für die Forschung zur Frühen Neuzeit an einer ausserordentlich interessanten Schnittstelle: zwischen Sozialdisziplinierung, materieller Kultur, Wirtschaftsgeschichte, Alltagsgeschichte und Moralpolitik. Gleichzeitig sind sie für die jeweilige Gesellschaft ein Spiegel, der sowohl theoretische Modelle wie auch konkrete Realitäten widerspiegelt.

Ziel meines Promotionsprojektes ist es, im Schnittpunkt dieser Felder eine Geschichte der Luxusgesetze und Kleiderordnungen zu schreiben, die sich im Raum zwischen Basel, Zürich, Strassburg und Süddeutschland bewegt. Dabei scheint mir gerade die Analyse verschiedener Städte, die sich gegenseitig beeinflussten und miteinander Verbunden waren (sei dies in der Gesetzgebung, in wirtschaftlichen Aspekten oder in Modefragen) sehr fruchtbar zu sein. Ebenso vielversprechend ist die zumindest für Basel und Zürich gegebene Möglichkeit, die Umsetzung und Sanktionieren der Luxusgesetzgebung aufgrund entsprechender Gerichtsakten zu verfolgen und damit analytisch Diskurs- und Handlungsebene in die Untersuchung einbeziehen und miteinander verschränken zu können. In einem weiteren Schritt soll geprüft werden, in welchem Umfang Bildquellen, Kostümbücher und Objekte in die Untersuchung einbezogen werden können.