Internationale Organisationen als Akteure im Internationalen System. Das IKRK und die ‚Kongo-Krise‘ 1960-1965

Patrick Sonnack

 

Erstgutachterin: Prof. Dr. Madeleine Herren-Oesch; Zweitgutachterin: Prof. Dr. Julia Tischler

Das Dissertationsprojekt erforscht eine der umfangreichsten humanitären Missionen in der Geschichte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) während einem der zentralen Konflikte des 20. Jahrhunderts, der "Kongo-Krise" 1960-1965. Auf der Basis von reichhaltigem und noch weitgehend unbearbeitetem Archivmaterial geht die Studie dabei der zentralen Frage nach, wie das IKRK auf die sich wandelnden Rahmenbedingungen humanitärer Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg reagierte. Des Weiteren untersucht das Projekt in diesem Kontext die humanitäre Hilfe des IKRK als Gradmesser für komplexe Wechselwirkungen zwischen den Transformationsprozessen der Internationalen Ordnung (die Dekolonisation, der Kalte Krieg und die zunehmende Einflussnahme Internationaler Organisationen in der internationalen Politik), die die Neukonfiguration des Internationalen Systems nach 1945 prägten. Mit dem Fokus auf grenzüberschreitende Verflechtungen nutzt sie hierfür das Paradigma der Verflechtungsgeschichte, um den Rahmen einer klassischen Institutionengeschichte zu verlassen und die vielschichtigen Interdependenzen unterschiedlicher Interaktionsebenen zu untersuchen, welche die Arbeit des IKRK maßgeblich beeinflussten. Dadurch wird eine stärker kontextualisierende Forschungsperspektive eröffnet, die es zugleich ermöglicht, zu einem umfassenderen Verständnis der Verflechtungsdynamiken dieser Transformationsprozesse beizutragen, die auch den spezifischen, aber bislang unterbewerteten Charakter der "Kongo-Krise" ausmachen. Darüber hinaus wirkt das Projekt am Beispiel des IKRK an der weiteren Historisierung einer zentralen Akteursgruppe jenseits des Nationalstaats, den Internationalen Organisationen, mit. Ebenso nimmt die Studie Anteil an aktuellen Entwicklungen und Debatten das Feld der Internationalen Geschichte zu erweitern und den dort lange vorherrschenden methodologischen Nationalismus herauszufordern. Somit lässt sich das Dissertationsvorhaben an der Schnittstelle zwischen Institutionengeschichte, Internationaler Geschichte und der Geschichte humanitärer Hilfe im 20. Jahrhundert verorten.