Politik der Hausarbeit: Kapitalismus, Sorge und Feminismus - 14.05.2018

Workshop mit Prof. em. Silvia Federici

Die Frage, wer wann für wen sorgt und wie diese Arbeit wertgeschätzt, entlohnt und verteilt wird, gehört zu den Kernfragen der feministischen Kritik und Wissenschaft. Namentlich Historikerinnen haben dargelegt, dass die unbezahlte Hausarbeit eine Geschichte hat, die für die Moderne wesentlich auch eine der Unsichtbarmachung ist: verklärt als „Liebesarbeit“ wurde Hausarbeit der Sphäre der „Reproduktion“ zugewiesen und erfuhr durch die scharfe kategoriale Differenz zur Sphäre der „Produktion“ eine eigentliche Entwertung. Dabei, so zeigten die Historikerinnen weiter auf, war das Funktionieren einer kapitalistischen Moderne auf die unbezahlte Arbeit von Frauen und auf ihre Dienste an anderen Menschen substanziell angewiesen.

Brachten die 1970er Jahre einen ersten Schub an Auseinandersetzung mit der Geschichte der Hausarbeit, so rückt gegenwärtig die Frage nach bezahlter und unbezahlter Reproduktions- bzw. Care-Arbeit erneut in den Fokus von Wissenschaft und Politik: Unter den Bedingungen der Globalisierung, zunehmender ausserhäuslicher Erwerbstätigkeit von Müttern und des Abbaus sozialstaatlicher Leistungen stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung und Organisation dieser Arbeit erneut. Wer leistet um welchen Preis und in welchen Arrangements diese Arbeit, die als Hausarbeit dem Unentgeltlichen zugeschlagen ist und als Dienstleistung der Vermarktlichung unterliegt? 

Dabei sind Historikerinnen aufgefordert, nicht nur die Narrative der Geschichte der Hausarbeit zu prüfen, sondern in diese auch eine Geschichte der Politisierung der Hausarbeit einzubeziehen. Dazu laden wir mit Prof. em. Silvia Federici (New York) eine Wissenschaftlerin ein, die sich nicht nur seit vielen Jahren mit der Analyse von Arbeitsverhältnissen befasst, sondern ausserdem in den 1970er Jahren Protagonistin der internationalen „Lohn für Hausarbeit“-Kampagne war. Aus dieser doppelten Perspektive hat sie in den letzten Jahren viel diskutierte Schriften vorgelegt. Mit der Veranstaltung wollen wir zu einem Austausch über diese Analysen anregen.  

Basel Graduate School of History, Departements Geschichte und WIDE Switzerland. Organisation: Caroline Arni, Céline Angehrn, Jennifer Burri, Simona Isler

Wann & wo

MONTAG, 14. Mai 2018

9.00–12.00 Uhr

Departement Geschichte der Universität Basel, Hirschgässlein 21, 4051 Basel, Seminarraum 1

Anschliessend Lunch

18.15 Uhr–20:00 Uhr

Rebel Mothering in Feminist Discourse and Practice

Abendvortrag von Silvia Federici

Alte Universität, Rheinsprung 9, 4051 Basel, Hörsaal 101

Anmeldung

Für alle Teilnehmende: bis zum 30. April 2017 an: jennifer.burri@unibas.ch

Für Doktorierende der Universität Basel, die einen Kreditpunkt erwerben möchten, zusätzlich über Mona.

Der Workshop richtet sich an Mitglieder der Basel Graduate School of History, Doktorierende anderer Departemente und Universitäten, Mitglieder von WIDE und weitere Interessierte. Die Teilnahme ist kostenlos.

Detailliertes Programm und Lektüre zur Vorbereitung werden nach der Anmeldung verschickt. 

Wer

Silvia Federici ist emeritierte Professorin für politische Philosophie und Women Studies am New College of Hofstra University und lebt in New York City. Sie hat zahlreiche Bücher und Essays zu marxistischer und feministischer Theorie, Globalisierungskritik und zum Konzept der „Commons“ veröffentlicht. Zu ihren Publikationen zählen Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation (Wien 2012), Aufstand aus der Küche – Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution (Münster 2012).

Kontakt

jennifer.burri@unibas.ch