Streiten - 26./27.9.2019

Jahrestagung der Basel Graduate School of History

Adriaen Brouwer - Streitende Bauern in einem Wirtshaus

In Gesellschaft und Politik wurde selten so viel und vor allem so unheilvoll gestritten wie heute, könnte man mit Blick auf die mediale Öffentlichkeit behaupten: Überall wird von einer weltweiten Krise der Demokratien gesprochen, von gespaltenen Gesellschaften oder gleich vom Verfall der Kommunikations- und Streitkultur selbst. Jenseits der sich aufdrängenden Aktualität stellt sich allerdings die Frage, ob diese gefühlte Omnipräsenz des Streitens ein historisch 'neues' Phänomen ist. Wurde nicht schon 'immer' und 'überall' gestritten: am Küchentisch, auf der Straße, in den Parlamenten und in der Universität? Oder haben sich Akteur*innen, Formen, Verständnis und Intensität des Streitens gewandelt?

Grund genug, das Streiten als historisches Phänomen in den Mittelpunkt der BGSH-Jahrestagung 2019 zu stellen. Was bedeutet "Streiten" aus verschiedenen geographischen und epochalen Perspektiven? In welcher Form wurde in bestimmten historischen Konstellationen gestritten? Indem im geschichtlichen Unterholz schwelende Konflikte sichtbar gemacht werden, erkunden wir, wo Streiten entzweiend ist und wo es Menschen erst zusammenbringt. Das Thema bietet darüber hinaus Gelegenheit, über unsere eigene wissenschaftliche Arbeit zu reflektieren und zwischen verschiedenen Forschungbereichen ins Gespräch zu kommen. Welche wissenschaftlichen Debatten oder Streits haben die Forschungslandschaft geprägt, in der unsere Projekte angesiedelt sind? Wann und wie haben sie den historischen Blick auf die jeweils umstrittenen Gegenstände verändert? Wo und wie verflechten sich (gegenwarts-)politische Standpunkte mit dem jeweiligen Forschungsinteresse? Wie verhalten und verorten wir uns in der eigenen Arbeit zu diesen vergangenen oder noch bis heute ungelösten Auseinandersetzungen? Wir können so Einblicke in ganz verschiedene Dissertationsprojekte gewinnen und unsere alltäglichen Forschungsfragen diskutieren, den Blick für Gegenwärtiges schärfen und, ja, vielleicht auch ein bisschen streiten.

Wann und wo?

Donnerstag, 26.9.19, 13:00 Uhr - 18:30 Uhr

Freitag, 27.9.19, 9:00 Uhr - 13:00 Uhr

Hotel Bildungszentrum 21, Basler Mission, Missionsstrasse 21, 4055 Basel

 

Hinweis: Bitte melden Sie sich an, um den Reader (pre-circulated papers) zur Jahrestagung zu erhalten.

Die Tagung findet auf Basis von pre-circulated papers statt. Statt Vorträgen wird es Kommentare und Diskussion geben. Daher freuen wir uns, wenn der Reader von möglichst vielen im Vorhinein gelesen wird.

 

Programm

DONNERSTAG, 26. September

13:00 – 13:45 Willkommenslunch

13:45 – 13:50 Robert Pursche (Basel) – Begrüssung

13:50 – 14:00 Claudia Opitz (Basel) – Einführung

14:00 – 16:00 Streiten über Geschichte

Discussant: Fabian Baumann (Basel)

Chair: Sophia Polek (Basel)

Robert Pursche (Basel) – Widerwillige Kooperationen. Die Entdeckung der Jugend Walter Benjamins

Marlene Weck (Freiburg i. Br.) – Umstrittene Geschichte vor dem Jugoslawientribunal

Séveric Yersin (Basel) – Accéder aux archives convoitées. Une dispute entre Willi Gautschi et l’archiviste fédéral Leonhard Haas sur fond de renouveau historiographique

16:00 – 16:30 Kaffeepause

16:30 – 18:00 Gesellschaftliche Polarisierungen

Discussant: Niels Rebetez (Fribourg)

Chair: Maria Tranter (Basel)

Bettina Blatter (Basel) – Antikommunismus in der Schweiz

Miriam Baumeister (Basel) – Streiten üben. Jugend und Staat in Basel Anfang der 1970er Jahre

18:30 Nachtessen – Restaurant Kornhaus

 

FREITAG, 27. September

09:00 – 10:30 Töne, Misstöne

Discussant: Aline Vogt (Basel)

Chair: Sarah Hagmann (Basel)

Markus Bardenheuer (Basel) – Streit und Öffentlichkeit in der frühmodernen Stadt

Anna Leyrer (Basel) – Eins, zwei, viele. Freundinnen streiten

10:30 – 11:00 Kaffeepause

11:00 – 12:30 Streit-Sprachen, Streit-Formen

Discussant: Mirjam Hähnle (Basel)

Chair: Rhea Rieben (Basel)

Yves Hänggi (Basel) – Über Differenzen streiten. Psychologische Perspektiven auf die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung

Andreas Gehringer (Basel) – «Was ein schöner Burger jhr seyd die jhr euch wider die Freyheit eins Mitburgers aufflehnet.» Basel und Genf wider Antoine Lescaille

Programm als PDF

Anmeldung

Bis zum 20. September 2019 mit diesem Formular.

Kontakt

anna.leyrer@unibas.ch

laura.ritter@unibas.ch